Rückblick: Nationale Tagung Bodenindexpunkte

«Innerhalb der Bauzonen braucht es Grundlagen, welche die vielfältigen ökologischen Funktionen der Böden aufzeigen, um sie langfristig zu sichern“

– Reto Camenzind, Bundesamt für Raumentwicklung ARE

«Was Boden ist, wird sehr unterschiedlich verstanden. Für die meisten ist es einfach eine Fläche auf der man baut. Dabei ist es so viel mehr. Dafür muss man ersteinmal ein Verständnis schaffen.»

– Guillaume Raymondon, Région Morges

An einem Tag werden in der Schweiz fast sieben Fussballfelder Boden versiegelt und gehen dadurch für Generationen verloren. Weil der Boden in der Schweiz so extrem unter Druck steht, haben wir am 23. Mai 2023 die Tagung Bodenindexpunkte» im Kongresszentrum in Biel organisiert. Ein voller Erfolg: Rund 80 Vertreter/innen aus Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung, dem privaten Sektor, der Raumplanung und von Gemeinden, Region, Kantonen und Bund kamen zusammen

Im Zentrum stand ein Instrument, das dabei helfen kann, unsere Böden nachhaltiger zu nutzen: der Bodenqualitätsindex. Er hilft vor allem dabei, nicht nur das Problem der Bodenversiegelung anzugehen, sondern auch das Problem des Verlustes von Bodenqualität.

Die ersten drei Pilotprojekte in der Schweiz

Anwendung findet diese Entscheidungshilfe in der Schweiz erst in drei Pilotprojekte, die an der Tagung vorgestellt wurden.

  • In der Region Morges (VD) wird der Bodenqualitätsindex im Siedlungsgebiet getestet.
  • In Chamblioux-Bertigny (FR) wird das Instrument im Zusammenhang mit der Überbauung der Autobahn A12 und der Entwicklung neuer Quartiere Anwendung finden.
  • In Witzwil (BE) betreibt die Justizvollzugsanstalt den grössten landwirtschaftlichen Betrieb des Kantons Bern. Der Kanton ist aber auch seinem Biodiversitätskonzept verpflichtet. Durch die Anwendung des Bodenqualitätsindexes soll für diese komplexe Gemengelage zusammen mit allen beteiligten Akteur/innen eine Lösung gefunden werden.

Der erste fertig entwickelte Bodenqualitätsindex

Im Pilotprojekt der Region Morges konnten bereits drei konkrete Tools zur Anwendung des Bodenqualitätsindexes entwickelt werden. Das erste Tool stellt in Form einer Hinweiskarte die Bodenqualität bezüglich einer vorher definierten Leistung dar (Bodenqualitätsindex). Ein weiteres Tool simuliert die Auswirkungen eines Bauprojekts auf die Bodenqualität, das dritte bietet die Möglichkeit, sich verändernde Gegebenheiten einzubeziehenein. Mit Hilfe der entwickelten Tools können Entscheidungsträger/innen die Auswirkungen eines Bauprojekts auf die Funktionen der Böden in die Planung berücksichtigen. Sie sind so konzipiert, dass sie mittelfristig auch von anderen Regionen angewendet werden können.

Warum ist das wichtig?

In der Schweiz stehen den Behörden neben dem Sachplan Fruchtfolgeflächen keine Instrumente zur Verfügung, die Qualität der Böden bei der Planung zu berücksichtigen. Dabei sind unsere Böden extrem wichtig. Sie sind die Grundlage unseres Lebens: Nahrungsproduzenten, Trinkwasserfilter, CO2-Speicher, Hochwasser- und Hitzeschützer. Ist ein Boden einmal versiegelt oder zerstört, braucht er mehrere Generationen, um ihn wieder aufzubauen. Deswegen hat sich die Schweiz mit der Bodenstrategie 2020 ein klares Ziel gesetzt: Ab 2050 soll netto kein Boden mehr verbraucht werden. Wird er an einer Stelle z. B. überbaut, soll das an einem anderen Ort kompensiert werden. Dabei kann der Bodenqualitätsindex helfen.

Unterstützt wurde die Tagung von der Bodenkundlichen Gesellschaft Schweiz (BGS). Das Projekt «Bodenindexpunkte» wird unterstützt vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) und vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) sowie von der Volkart Stiftung.

Gepostet am: 7 Juni 2023

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