Bericht nationale Tagung Bodenindexpunkte: Fokus Stadtböden

„Carte blanche“ für Maëlle Proust. Die Masterstudentin Raumentwicklung und diplomierte Landschaftsarchitektin blickt auf die „Nationale Tagung Bodenindexpunkte“ zurück. Im Rahmen ihrer Masterarbeit beschäftigt sie sich derzeit damit, wie Böden in die Stadtplanung integriert werden können. Was nimmt sie von diesem Tag mit?

Die Schweiz verliert nach wie vor grosse Flächen an Boden. Böden sind aufgrund des Bevökerungswachstums stark unter Druck. Verstärkt wird dieser Druck durch die Politik der Innenentwicklung. Zudem leiden sie unter der zunehmenden Urbanisierung, vor allem unter der damit zusammenhängenden Versiegelung. Diese Belastungen wirken sich direkt auf die Ökosystemleistungen der Böden aus und sind oft nicht mehr rückgängig zu machen.

Wenn wir eine lebenswerte Zukunft in unseren Städten sicherstellen wollen, dann muss der Boden zu einem zentralen Akteur in der Raumplanung werden.

Der Bundesrat hat 2020 mit der Bodenstrategie für die Schweiz ein Zeichen gesetzt. Im Zentrum steht eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung. Die Strategie verlangt, dass die Qualität der Böden in städtischen Gebieten bei der Raumplanung berücksichtigt wird, um der Verknappung der Böden entgegenzuwirken und Verluste zu kompensieren. Der Bodenstrategie ist es auch zu verdanken, dass die Entwicklung von Messinstrumenten und Kartierungen angestossen wurde, damit die Bodenqualität künftig bei der Interessensabwägung von Raumplanungsentscheiden berücksicht werden kann.

Der Ruf nach konkreten Werkzeugen

Dank der Unterstützung von sanu durabilitas, haben sich Gemeinden und Fachhochschulen zusammengeschlossen, um Werkzeuge zu entwickeln, mit denen die Belastung der allzu oft beeinträchtigten städtischen Böden verringert werden soll.

Für „Région Morges“ wurden in der Folge Werkzeuge in Form eines Bodenqualitätsindexes entwickelt (Hinweiskarten für die Bodenfunktionen mit einer Skala qualitativer Werte). Sie ermöglichen eine Ersteinschätzung der Bodenfunktionen und damit seiner Qualität, basierend auf einer Verknüpfung mit vorhandenen kartografischen Daten. Diese Informationen können z. B. im Rahmen einer Verträglichkeitsprüfung eines Projekts durch gezielte Erhebungen vor Ort präzisiert und erweitert werden.

Guillaume Raymondon, RégionMorges

Die Entwicklung von anpassbaren Kartierungswerkzeugen, die durch wiederholte Geländebegehungen erweitert werden können, gewährleistet die Wertschätzung des Bodens auf kostengünstige Weise und macht Bodendaten für die regionale Politik zugänglich.

Diese Werkzeuge bieten auch die Chance, die kaum vorhandenen Bodendaten in Städten zu erweitern, um eine massvolle Nutzung des immer wertvoller werdenden Bodens zu sichern. Auf der ersten „Nationale Tagung Bodenindexpunkte“ in Biel/Bienne waren sich alle einig, dass dieser Paradigmenwechsel im Umgang mit den Böden notwendig ist: Die Böden müssen als erneuerbare Ressource betrachtet werden.

Um von der gegenwärtigen zweidimensionalen Darstellung in der Raumplanung wegzukommen, dürfen Böden nicht nur an der Oberfläche, sondern müssen auch in ihrer  Tiefe betrachtet werden.

Denn wie Gilles Gallinet in seinem Buch Sols vivants; Socle de la nature en ville betont, ist «die Landschaft nur das Spiegelbild ihres Bodens». Wenn wir ein qualitativ hochwertiges Lebensumfeld bewahren, die Ernährungssicherheit gewährleisten und den Klimawandel besser bewältigen wollen, dann ist es notwendig, diese „verborgene Ressource“ (wie Paola Vigano sie bei einem Vortrag in der Fondation Braillard im Jahr 2020 nannte) im städtischen Umfeld zu erhalten. Will man diesem Leitsatz folgen, muss sich die Raumplanung mit einer bodenfreundlicheren Vision arrangieren.

Eine Vision für Böden in der Stadt

Wenn man den Bodenqualitätsinex mit den Planungsprozessen verbindet und ihn in der Richtplanung auf allen Ebenen integriert, können die Herausforderungen angegangen werden, denen die Städte heute gegenüberstehen: Vermeidung von Hitzeinseln, Erhaltung von ökologischer Infrastruktur, Erhöhung des Baumkronendaches, Management und Versickerung von Oberflächenwasser, etc.

Die Böden sind die Quelle einer lebendigen Landschaft. Um sie zu erhalten, müssen wir sie kennen!

Text: Maëlle Proust, Studentin Raumentwicklung mit Schwerpunkt Landschaftsarchitektur HES-SO/UNIGE und diplomierte Landschaftsarchitektin

Gepostet am: 16 Juni 2023

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